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Abgeschlossene Dissertationen

"Technik? Du als Mädchen?" Erklärungsansätze für die Entscheidung von Mädchen, eine naturwissenschaftlich-technische Ausbildung beim Übergang zur Sekundarstufe II zu wählen

Gerda Schneeberger (2017)

Geht man von der Annahme aus, dass es nicht unterschiedliche Begabungen sind, die zu einem wesentlich geringeren Anteil von Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Berufen und Ausbildungszweigen führen, so geht es darum zu klären welche Faktoren ausschlaggebend sind für die Entscheidung von Mädchen für eine auf Naturwissenschaft und Technik fokussierte Schulform. Gerade dieser Frage hat die Literatur bisher zu wenig Raum gegeben, und diese Lücke in der Forschung trachtet die Arbeit zu schließen, indem sie sich insbesondere den Schulwahlentscheidungen von Mädchen in ländlichen Regionen annimmt. Aufgearbeitet werden die unterschiedlichen Faktoren, die für die Schulwahlentscheidend sind, anhand eines Modells (aufbauend auf Überlegungen zu Interaktions- und Matching-Prozesse von Oechsle, Knauf et al. 2009), welches insbesondere auf Einflüsse aus dem privaten Umfeld (Peers und Familie), Einflüsse aus dem schulischen Umfeld (Kurse, Lehrkräfte und Unterricht) und Einflüsse aufgrund der selbstbezogenen Disposition (Technikverbindung, Noten und Selbstkompetenzerleben) abstellt.

Die anhand des Modells aufgestellten Hypothesen werden auf der Basis einer breiten empirischen Studie, durchgeführt mit 471 Schülerinnen und 525 Schülern am Ende der Sekundarstufe I (nach erfolgter Schulwahlentscheidung, aber noch vor Eintritt in die nachfolgende Schule um retrospektive Verzerrungen auszuschließen), überprüft, in der die Motive der Schüler/innen aus ihrer Perspektive ermittelt werden. Die Auswertung der Fragebögen erfolgte mittels Bestimmung von Korrelation und t-Test mit Fokus auf Gruppenunterschiede zwischen Mädchen und Burschen, Mädchen mit positiver und negativer Entscheidung für naturwissenschaftliche Ausbildungszweige und Jugendlicher allgemein mit positiver und negativer Entscheidung für nawi-tech Schulformen.

Die daraus gewonnen Erkenntnisse geben wesentlichen Aufschluss darüber, welche Faktoren für den Bildungsweg von Frauen ausschlaggebend sind, auch im Unterschied zu Ausbildungsentscheidungen männlicher Schüler. Insbesondere zeigt sich, dass für Mädchen das schulische Umfeld und die selbstbezogene Disposition wesentlichere Kriterien für die Entscheidung darstellen, als Faktorenaus dem privaten Umfeld.


Concept Cartoons als Stimuli für Kleingruppendiskussionen im Chemieunterricht: Beschreibung und Analyse einer komplexen Lerngelegenheit

Rosina Steininger (2016)

Fach- und Argumentationskompetenz gelten als Voraussetzungen dafür, im Alltag verantwortungsbewusst Wahl- und Konsumentscheidungen treffen und aktiv am Diskurs über Fragestellungen mit naturwissenschaftlichen Aspekten teilnehmen zu können (OECD, 2016). Der Erwerb dieser Kompetenzen kann durch den Einsatz von Concept Cartoons im Naturwissenschaftsunterricht gefördert werden.

Lernen ist ein aktiver und sozialer Prozess, in dem Sprache und Emotionen eine zentrale Rolle spielen. Die Aufgabe, eine durch einen Concept Cartoon stimulierte Kleingruppendiskussion zu führen, stellt SchülerInnen nicht nur vor kognitive sondern auch vor affektive und soziale Herausforderungen, die in bisherigen Studien jedoch kaum Beachtung fanden.
Die vorliegende Dissertation geht den Fragen nach, wie SchülerInnen im Chemieunterricht während der durch Concept Cartoons stimulierten Kleingruppendiskussionen agieren und wie sie mit den Herausforderungen auf kognitiver, sozialer und affektiver Ebene umgehen. Die Datengrundlage bilden Transkripte von Audio-Video-Aufzeichnungen von sechs Kleingruppendiskussionen aus drei verschiedenen Klassen (und Schulen) der Sekundarstufe II. Als Stimulus für die Diskussionen kam ein Concept Cartoon zum Einsatz, der nach der Ursache der unterschiedlichen Eigenschaften von Diamant und Graphit, den allotropen Modifikationen des Kohlenstoffs, fragt. Die Auswertung der Daten erfolgte nach dem qualitativen Ansatz der konstruktivistischen Grounded Theory (Charmaz, 2006), um dem explorativen Charakter der Studie und der Komplexität der untersuchten sozialen Interaktionen Rechnung zu tragen. Das Ergebnis der Arbeit ist ein Phasenmodell zur Beschreibung und Analyse von Kleingruppendiskussionen im Naturwissenschaftsunterricht. Es veranschaulicht, wie kognitive, emotionale, motivationale und soziale Faktoren einander wechselseitig beeinflussen und sich auf die Qualität der fachlichen Klärung im Zuge der Diskussionen auswirken. Es zeigt auf, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit SchülerInnen bei dieser komplexen Lerngelegenheit einen konstruktiven fachlichen Diskurs führen und dadurch sowohl ihre Fach- und Argumentationskompetenz als auch ihr Verständnis von der Natur der Naturwissenschaften und ihre sozialen Kompetenzen erweitern können.


Laborpraxis im Chemieunterricht – Ziele und Wege österreichischer Lehrer/innen

Brigitte Koliander (2017)

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Erwartungen und Erfahrungen österreichischer Chemielehrer/innen im Bezug auf Laborpraxis im Vergleich zu den Ergebnissen  internationaler fachdidaktischer Forschung. Was können Praxis und Wissenschaft einander sagen, welche gemeinsamen Erkenntnisse gibt es, wo sind die Sichtweisen unterschiedlich? Für die Sichtweise der Praktiker/innen werden etwa 100 schriftliche Berichte von Lehrer/innen, die im Rahmen des Unterstützungssystems IMST in den Jahren 2000 – 2009 veröffentlicht wurden (IMST, 2009) und Unterrichtserfahrungen dokumentieren, analysiert. Es werden Typengruppen beschrieben. Im nächsten Schritt werden einige der Projekte für Fallanalysen ausgewählt und die Erwartungen und Erfahrungen der Lehrer/innen im Rückblick durch Interviews erhoben.

Ziel der Arbeit ist,

  • die Sichtweisen der Praktiker/innen und die Sichtweisen der fachdidaktischen Forschung am konkreten Fall „Laborpraxis“ dazustellen;
  • unter Einbeziehung von Forschungsergebnissen Handlungsmöglichkeiten für Lehrer/innen aufzuzeigen;
  • die Deutungen der Lehrer/innen für Forscher/innen sichtbar und nach Möglichkeit für die weitere Forschung fruchtbar zu machen.

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Implementing Inquiry-based Learning in a Diverse classroom: Investigating Strategies of Scaffolding and Students' Views of Scientific Inquiry

Sandra Puddu (2017)

In order to participate actively in a modern world it is necessary to make decisions concerning scientific issues. Therefore, it is important to develop scientific skills and methods which have a solid foundation in science education standards and the curricula. Empirical research shows the potential of inquiry-based learning to foster these skills and methods as well as to meet the needs of diversity in the classroom. Inquiry-based learning is seen as a challenge, especially in classrooms with a high diversity, and therefore it is rarely implemented.
Professional development programs are needed to further the implementation of inquiry-based learning. Designing appropriate programs requires information about authentic classroom situations. The thesis at hand contributes to this by collecting data throughout the course of an explorative case study. A teacher was accompanied for one year while implementing inquiry-based learning in a class with a high diversity. The observations focused on scaffolding as well as on dealing with diversity. Additionally, data compiling students’ views of scientific inquiry were gathered.
Data from audio and video recordings, task sheets, lab reports as well as interviews and questionnaires were analyzed via qualitative content analysis and descriptive statistics. A thick description was made to paint a vivid picture of this highly diverse classroom and to answer the research questions. The teachers’ strategies for scaffolding while implementing inquiry-based learning in this classroom were illustrated. The views of scientific inquiry were discussed on both the class level and the individual level.
Finally, the methods for collecting data are discussed critically with regard to diversity. Furthermore, possibilities for being mindful of diversity when implementing inquiry-based learning are suggested. These findings can be used to develop materials for classes with a high diversity as well as for professional development programs which aim to sensitize and to support teachers.


Österreichisches Kompetenzzentrum für Didaktik der Chemie
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