Diplomarbeit

 

Unterschiedliche Ziele von Lehrperson und SchülerInnen während des Experimentierens im Chemieunterricht - Eine Videoanalyse Forschenden Lernens nach Grounded Theory (im Projekt von Dr. Simone Abels) 
Dominik Klika

Die vorliegende Diplomarbeit ist der Frage nachgegangen, welche Ziele von einer Lehrerin und SchülerInnen beim LehrerInnen-SchülerInnen-Gespräch (LSG) während des Experimentierens beim Forschenden Lernen erkennbar sind und wie diese verhandelt werden. Zur Untersuchung wurden drei Chemieeinheiten zu unterschiedlichen fachlichen Themen auf Level 1 und Level 2 des Forschenden Lernens herangezogen. Die Themen der Einheiten waren Elektrolyse von Wasser (Level 1), Stofftrennung eines Sand-Salz-Sägespäne-Gemischs und Destillation eines Ethanol-Wasser-Gemischs (beide Level 2) und wurden von einer Lehrerin unterrichtet. Im Zuge des Habilitationsprojekts von Frau Dr. Simone Abels (Abels, 2015b) wurden diese Unterrichtseinheiten mittels Videokameras und Audiogeräten im Chemieunterricht zweier vierten Klassen (8. Schulstufe) in der Lernwerkstatt Donaustadt (Wien) aufgenommen und als Forschungsbasis für diese Diplomarbeit zu Verfügung gestellt. Das Datenmaterial wurde transkribiert und mithilfe der Grounded Theory Methodologie nach Kathy Charmaz (2006) analysiert.

Naturwissenschaftliche Grundbildung spielt in der heutigen Gesellschaft eine immer bedeutendere Rolle, um am modernen Leben teilnehmen zu können. Bei alltäglichen Entscheidung wird ein gewisses Maß an naturwissenschaftlichem Verständnis benötigt, um diese Entscheidungen bewusst und begründet treffen zu können. Bei naturwissenschaftlicher Bildung geht in diesem Zusammenhang über das bloße Reproduzieren von Fakten hinaus, wie es häufig bei deduktiv-orientiertem Unterricht vermittelt wird (Lembens et al., 2013; Schreiner & Schwantner, 2009).

Forschendes Lernen wird als ein möglicher Weg beschrieben, um von fakten-basiertem zu induktiv-orientiertem Unterricht zu gelangen. Der Ansatz des Forschenden Lernens wird als authentischer, wichtiger und effektiver Weg betrachtet, um Schülerinnen und Schüler naturwissenschaftliche Inhalte zu vermitteln (AAAS, 1989, 2000; NRC, 1996, 2000). Forschendes Lernen tritt in vier unterschiedlichen Anforderungsniveaus auf und soll Schülerinnen und Schüler zu mehr Eigenverantwortung und begründeten Erklärungen zu Sachverhalten führen (Abrams et al., 2008). Neben dem Forschenden Lernen stellt die Erläuterung von Experimenten im Chemieunterricht und dem Erscheinungsbild von Gesprächsmustern im Unterricht einen wichtigen Aspekt dieser Arbeit dar, um eine fundierte Basis für diese Forschungsunternehmung zu geben.

Diese Diplomarbeit konnte zeigen, dass zwei wesentliche Ziele bei der Verhandlung im LSG auftreten. Zum einen bildete sich die Kategorie Negotiating Scientific Content heraus, bei der es um die Verhandlung von naturwissenschaftlichen Inhalten zwischen der Lehrerin und den Schülerinnen und Schülern geht. Dieser Aspekt wird vor allem von der Lehrerin strukturiert und vorangetrieben. Die Vermittlung von naturwissenschaftlichen Inhalten steht besonders bei Level 1 des Forschenden Lernens im Fokus. Zum anderen zeigte sich in aktiven Experimentierphasen, dass Tun und Handeln für Schülerinnen und Schüler eine besondere Motivation darstellt. Dieses Erscheinungsmuster wurde in die zweite Hauptkategorie mit dem Namen Negotiating Experimental Activities integriert. Diese Form der Verhandlung tritt besonders bei Level 2 des Forschenden Lernens auf und wird von den Schülerinnen und Schülern in unterschiedlichen Erscheinungen gelenkt. Die Macht des Handelns steht für Schülerinnen und Schüler in aktiven Experimentierphasen über der Vermittlung von naturwissenschaftlichen Sachverhalten.

Durch die vorliegende Diplomarbeit konnte gezeigt werden, wie sich Ziele beim Experimentieren im LSG einer Lehrerin und Schülerinnen und Schülern in Bezug zum Level des Forschenden Lernens unterscheiden. Obwohl beide Seiten einen großen Einfluss auf den Dialog haben können, stehen teilweise unterschiedliche Intentionen und Führungsanteile dahinter. Auf diese unterschiedlichen Ansprüche kann im zukünftigen Unterrichten eingegangen werden, um Forschendes Lernen effektiv im Unterricht einsetzen zu können.

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